Mental Fitness: Sport für das Gehirn

Während körperliche Gesundheit, Fitnesstraining und gesundes Essen heutzutage großgeschrieben sind, werden mentale Beschwerden oftmals in den Hintergrund geschoben. Doch auch für die geistige Gesundheit braucht der Mensch regelmäßiges Training. Jenseits der Tätigkeiten des Alltags bieten Denksportarten effektive Übungsmöglichkeiten und sorgen gleichzeitig für die nötige Abwechslung im Alltagstrott. Schach, Poker, Billard und Gedächtnissport gehören dabei zu den beliebtesten Disziplinen aus der Denksportsparte.

chess- Die Königin aller Brettspiele
Schach – ganz klar die Königin aller Brettspiele / (c) pixabay.com – JESHOOTS-com

Schach

Königsdisziplin im Denksport ist Schach. Die Urform des beliebten Brettspiels wurde erstmals in Persien des 6. Jahrhunderts belegt. Die moderne Version hält das menschliche Gehirn seit dem 15. Jahrhundert auf Trab. Seine Etablierung als Sportart fand erst im späten 19. Jahrhundert statt. Den Startschuss hierfür legte die erste offizielle Weltmeisterschaft zwischen den Schachmeistern Wilhelm Steinitz und Johannes Hermann Zukertor.

Die flächendeckende Verbreitung des Internets in den 90ern erhöhte schließlich deutlich das Interesse für das Königsspiel. Das digitale Netzwerk verband nicht nur die Schachgemeinde auf der ganzen Welt, sondern ermöglichte die Gründung von Online-Diensten, die das Brettspiel vermarkteten sowie Neuanfängern den Zugang zur Schachszene vereinfachten. Aktuell erlebt das Königsspiel einen neuen Popularitätsschub.

Verantwortlich dafür sind weltweit erfolgreiche Schachmeister wie Hikaru Nakamura und Levy Rozman, die regelmäßig auf YouTube und Twitch streamen und mit anderen Sportbranchen zusammenarbeiten, um neue Fans für das Spiel zu gewinnen. Zudem haben digitale Portale für Schach ihre Angebotspalette deutlich erweitert. Von Live-Sendungen bis hin zu Trainingsprogrammen werden zahlreiche Dienste für Amateur- und Profispieler online zur Verfügung gestellt.

Poker

Poker wurde erstmals im 19. Jahrhundert in den Spielhallen von New Orleans gespielt und verbreitete sich von dort aus über alle Kontinente. Der wahre Durchbruch des Spiels gelang jedoch erst in den 1970er Jahren, als die World Series of Poker in Las Vegas gestartet und im TV übertragen wurde. Wie bei Schach läuteten die 90er Jahre eine neue Ära in der Pokerszene ein. Dank der Digitalisierung wurden zahlreiche Online-Portale für Poker gegründet, die den Zugang zum Spiel vereinfachten.

Heute bieten diese spezialisierten Plattformen nicht nur digitale Räume zum Spielen an, sondern liefern auch Orientierungshilfen für Poker Regeln sowie zuverlässige Informationen über verschiedene Strategien und Varianten des Spiels. Nun ist auch die traditionsreiche World Series of Poker online gegangen. Die digitale Version des Turniers erleichtert die Teilnahme am Event und schenkt Interessierten die Möglichkeit auf Profiebene ihre Spielkenntnisse zu messen.

Billard 

Eine weitere Sportart für das Gehirn ist Billard. Das Kugelspiel etablierte sich im 15. Jahrhundert in den Königshäusern Europas und wurde erst nach der Französischen Revolution bürgerlich. Danach schossen Kaffeehäuser, Dorfkneipen oder Spielhallen mit Billardtischen wie Pilze aus dem Boden. Die ersten Impulse in Richtung Professionalisierung des Sports gingen von amerikanischen und britischen Billardspielern aus.

Die erste Weltmeisterschaft für die Billardvariante Snooker wurde schließlich 1927 in Birmingham ausgetragen. Heute sind die vielen Varianten des Billards beliebte Freizeitaktivitäten sowie gern gesehene Sportevents im TV und auf Streaming-Portalen. Weiterhin hat sich das Spiel wie andere Denksportarten auch der Digitalisierung angepasst. Billard kann sowohl als Videospiel, Mobile Game oder als Online-Spiel auf speziellen Plattformen gespielt werden.

Die erste Weltmeisterschaft für die Billardvariante Snooker wurde schließlich 1927 in Birmingham ausgetragen Die erste Weltmeisterschaft für Snooker wurde 1927 in Birmingham ausgetragen / (c) [Photo by Christian Wiediger on Unsplash

Gedächtnissport

Weniger populär, aber ein sehr effektives Mentaltraining bietet der Gedächtnissport. In dieser Disziplin dreht sich alles um Trainieren von Merkfähigkeiten und der Stärkung des Gedächtnisses. Dazu müssen verschiedene Inhalte auswendig gelernt werden, sei es Zahlenfolgen, abstrakte Bilder oder vieles mehr.

Hierfür nutzen Gedächtnissportler verschiedene Memoriersysteme wie die klassische Eselsbrücke oder die Loci-Methode. Gedächtnissport ist eine vergleichbar junge Sparte im Denksport. Das erste World Memory Championship wurde 1991 in London organisiert. Doch nicht die regelmäßigen Weltturniere, sondern publikumswirksame Auftritte von Gedächtniskünstlern in Fernsehprogrammen wie „Wetten, dass…?“ erhöhten den Bekanntheitsgrad des Denksports.

Gegenwärtig wird die Disziplin vor allem über Werbespots, Podcasts und Streamings bekannt gemacht. Besonders die Gedächtniskünstlerin Yanjaa Wintersoul leistet mit ihren Videoauftritten und als Werbegesicht einen beträchtlichen Beitrag zur Verbreitung des Gedächtnissports in der allgemeinen Bevölkerung. Für Interessierte bietet das Internet zahlreiche Webseiten, die über die einzelnen Memoriersysteme aufklären.

Wer sein Gehirn fit halten möchte, sollte einen Blick auf Denksportarten werfen, die Konzentration, Gedächtnis und logisches Denken schulen. Schach, Poker und Billard gehören hierbei zu den bekanntesten Disziplinen. Diese sind in der Bevölkerung weit verbreitet und bieten für Anfänger einfache Startmöglichkeiten im Internet an. Weniger populär ist der Gedächtnissport. Doch auch dieser bietet zahlreiche Online-Alternativen für den Einstieg. Der Start im Denksport wird deutlich zur Verbesserung der mentalen Gesundheit beitragen.

Quelle / Foto: Redaktion