Vor 75 Jahren schockierte er die Welt

Am Anfang ein Skandal und bis heute heiß diskutiert, der „Bikini“, das wohl spektakulärste Kleidungsstück der Modegeschichte, feiert seinen Geburtstag!

Vor exakt 75 Jahren präsentierte Louis Réard, gelernter Maschinenbauingenieur, im Pariser Schwimmbad Molitor einen nabelfreien und für die damaligen Verhältnisse viel zu knappen Zweiteiler, der die ganze Welt schlagartig in einen Atemstillstand versetzte.

Die Wahl des Namens war ein genialer Schachzug und wesentlich für die Erfolgsgeschichte. Réard benannte das Stückchen Stoff nach dem gleichnamigen Bikini-Atoll, das durch die wenige Tage zuvor stattgefundenen Atombomben-Tests der Amerikaner die Schlagzeilen der Titelseiten der internationalen Presse dominierte.

Seine Erfindung sollte hierdurch mit der Sprengkraft einer Atombombe assoziiert werden. Und so ging das Wort „Bikini“ unübersetzt in alle Kontinente.

Der Bikini ist feministisch und politisch, leidenschaftlich und persönlich, unterhaltend und aufwühlend, ästhetisch und sinnlich, berührend und voller Erinnerungen und verbirgt in der Kombination mit der jeweiligen Trägerin immer ein Geheimnis.

„Bademode ist Freiheit. Menschen, die einen Moment der Freiheit genießen. Wenn eine Frau einen Bikini kaufen möchte, dann denkt sie an Schönstmögliches, hat positive Vibes. Man denkt an den Strand, an das Meer, an den Himmel oder an die Liebe.“ (Zitat Jacqueline De Biase, Rio de Janeiro, Gründerin Salinas).

„Der Bikini stößt an die Grenzen des Möglichen. Er beschwichtigt eine Gesellschaft, die Nacktheit verbietet und ist dabei aber viel aufreizender.“ (Zitat Ursula Templin, frühere Designerin von Triumph International).

In Zusammenarbeit des BikiniARTmuseums mit Réard-Biografin Ghislaine Rayer entsteht aktuell die erste Biografie über den Bikini-Erfinder Louis Réard.

Das Buch wird 2022 erscheinen, doch zu dem besonderen Jubiläum werden schon jetzt ein paar spannende Einblicke in das bislang kaum beleuchtete Leben des Modeschöpfers gegeben und bisher unveröffentlichtes Fotomaterial von Filmikone Brigitte Bardot und Louis Réard, für den der Weltstar bereits mit 19 Jahren modelte, wird gezeigt.

Als echtes Marketinggenie verfügte Réard über einen namhaften Hollywood-Kundenstamm: Stars wie Marilyn Monroe, Rita Hayworth, Esther Williams oder Brigitte Bardot warben für seine innovativen Kreationen.

Im 1. Internationalen Museum für Bademode, dem BikiniARTmuseum, sind Louis Réard und seine Erfindungen breit vertreten. Zu seiner Ehre ist eine eigene Show kreiert worden. Weiterhin befindet sich dort die größte Sammlung an erhaltenen Réard-Bademodenstücken.

Dreizehn Bikinis und Badeanzüge werden in verschiedenen Inszenierungen gezeigt. Darunter auch „Der Goldene Réard“, der historisch wertvollste Bikini der Welt. 75 Jahre nach seiner Geburt ist der Bikini noch immer en vogue, doch in Zeiten von Gender Equality und Diversity nicht mehr nur Frauen vorbehalten:

Der von der Foundation des BikiniARTmuseums verliehene „Janara Swimwear Award“ zeichnet dieses Jahr 2021 in der Kategorie „Extravagant & Provocative“ das brasilianische Label „Fernando Cozendey“ aus, das 75 Jahre nach der Bikini-Erfindung den Zweiteiler auch für Männer designt und verkauft.

Réard war im Jahr 1946 seiner Zeit weit voraus. Es dauerte Jahre bis zum endgültigen Durchbruch und bis zur Akzeptanz in der breiten Bevölkerung.

Micheline Bernardini,
Micheline Bernardini, eine Nackttänzerin des Pariser Casinos, präsentierte vor 75 Jahren am 5. Juli 1946 den ersten „Bikini“ von Louis Réard im Pariser Schwimmbad Molitor / © Ullstein Bild – dpa

Ursula Andress´ ikonische James Bond Filmszene, als sie im weißen Gürtelbikini 1962 mit Messer und Muschel in den Händen dem Meer entstieg und die sexuelle Revolution in den 1960er-Jahren etablierten das winzige Badebekleidungsstück, das bis heute die Strände der Welt beherrscht.

Sicherlich hätte Réard es zu schätzen gewusst, dass er seine letzte Ruhe in Lausanne neben Gabrielle „Coco“ Chanel finden würde. Das „kleine Schwarze“ und der „Bikini“ wurden somit als Meilensteine der Modegeschichte über den Tod hinaus vereint.

Louis Réards Erfindung begeisterte Brigitte Bardot und Marilyn Monroe

So wie auch heute suchten auch früher junge unbekannte Models nach etwas Provozierendem, um aufzufallen und in das Interesse der Medien zu gelangen. Zwei Weltstars nutzten hier den Bikini für ihren Karrierestart. Anfang der 1950er-Jahre galt das Entblößen des Bauchnabels noch als absoluter Skandal.

Die blutjunge Brigitte Bardot erkannte die skandalöse Sprengkraft des Bikinis und setzte sich häufig damit in ihrer so eigenen Art in Szene.  Beispielhaft und erfolgreich trug sie zu den Filmfestspielen in Cannes im Jahr 1953 einen knappen, buntgemusterten, nabelfreien Zweiteiler.

Bardots Bikini-Fotos gingen nach dem Event wie ein Lauffeuer um die Welt und waren ein wichtiger Baustein für den Start ihrer Weltkarriere. Laut den neuen Erkenntnissen der Réard-Biografin Ghislaine Rayer erhielt Bardot einen ihrer ersten Modeljobs von Réard:

Im Jahr 1953 engagierte er die junge Frau als Mannequin für seine Bademode. Begeistert von Réards maßgeschneiderten Kreationen wurde sie schließlich Stammkundin seiner Boutique und schrieb sechs Jahre darauf eine liebevolle, persönliche Widmung an den Bikini-Erfinder.

Was in Europa funktionierte, funktionierte auch in Amerika. Rayer stößt des Weiteren auf eine Verbindung zwischen der Hollywood-Legende Marilyn Monroe und dem Bikini-Erfinder.

Damals noch unter dem Namen „Norma Jean Baker“ ließ sie sich in den prüden 1950er-Jahren, ebenso wie Bardot im Bikini den Bekanntheitsgrad stark steigernd, fotografieren. Zwischen Monroe und Réard gab es kein persönliches Treffen, aber eine geschäftliche Verbindung.

So nutzte der Modeschöpfer eine ihrer Fotografien, um für Lingerie zu werben, die er zum Verkauf in seiner Boutique anbot.

BikiniARTmuseum mit unveröffentlichten Fotos und Storys

Neben einem vorzeitigen Einblick in die 2022 erscheinende Réard-Biografie der Pariser Bademoden-Expertin Ghislaine Rayer zeigt das BikiniARTmuseum bislang unveröffentlichte historische Aufnahmen aus Réards Nachlass, die von den Nachkommen des Bikini-Erfinders zur Verfügung gestellt werden.

Die Aufnahmen Brigitte Bardots in Bademode von Louis Réard – inklusive der persönlichen Widmung der französischen Schauspiel-Schönheit werden nun zum 75-jährigen Bikini-Jubiläum veröffentlicht.

Des Weiteren umfasst die Sammlung Bikini-Aufnahmen vom Miss-Universe-Wettbewerb 1953, der „Miss Europe“ Ingrid Weiss aus dem Jahr 1957, einer Fotografie von Réards Pariser Boutique aus dem Bikini-Geburtsjahr 1946 sowie Werbefotografien einer exklusiven Kollektion von 1964.

Paukenschlag: Jetzt kommt der Bikini für Männer

Die Exklusivität für die Frauen ist vorbei. 75 Jahre hat sie gedauert. In Rio de Janeiro verkauft ein neues Label Bikinis und Badeanzüge für alle Geschlechter mit großem Erfolg.

Der von der „Foundation“ des BikiniARTmuseum verliehene „JANARA Swimwear Award“ honoriert jährlich die hervorragendsten Kollektionen von Bademodenherstellern aus aller Welt und trägt so dazu bei, die Aufmerksamkeit auf die vielseitige Branche der Bademode zu lenken.

Die Sensation der diesjährigen Wahl 2021/2022 in der Kategorie „Extravagant und Provocative“ stellt das aus Rio de Janeiro stammende Label „Fernando Cozendey“ dar. Mit seinen Kreationen verfolgt es neben schöpferisch-visionären auch politische Ziele.

Im Sinne der Gender Equality und Diversity verwischt das Label mit seinen innovativen, buntschillernden Designs die Grenzen der Geschlechter. Bahnbrechend scheinen insbesondere die exklusiv für Männer entworfenen Bikinis.

Dass der skandalöse Zweiteiler 75 Jahre nach seiner Geburt nicht mehr nur Frauen vorbehalten ist, markiert den Beginn eines geschlechtsegalitären Zeitalters wie ein Paukenschlag. Lilian Pacce, Modepäpstin aus Sao Paulo, kommentierte hierzu:

„Fernando Cozendeys grenzüberschreitende Kreationen führen erneut vor Augen, dass Bademode so viel mehr ist als ein Stück Stoff. Sie spiegelt politische und gesellschaftliche Entwicklungen wider und dient als Kommunikationsmedium jeder Generation.“

Fotos / Quelle: bikiniartmuseum.com