Betrügerische Übernahme auch bei Miss Universe?
„Als ob inszenierte Wettbewerbe und vorab handverlesene Gewinner in der Beauty-Contest-Szene noch nicht genug wären, tobt nun auch noch ein schmutziger Kampf um die Eigentumsrechte an Miss Universe“, betont Carsten Mohr, Experte für Compliance und Wirtschaftskriminalität sowie ehemaliger Finanzvorstand einer Plattform für investigative Journalisten.
NBC beendete seine Partnerschaft mit Donald Trump nach rassistischen Äußerungen, die er zu Beginn seines ersten Präsidentschaftswahlkampfs gemacht hatte. Im Jahr 2015 veräußerte der ehemalige Showmaster eines Fernsehformats alle Miss-Universe-Anteile an WME/IMG.
Mit Fremdkapital kaufte das thailändische Starlet Anne Jakkaphong Jakrajutatip sieben Jahre später Miss Universe von der Veranstaltungsgruppe, die für zahlreiche Fashion Weeks bekannt ist, da sie dringend eine schnelle Refinanzierung der geliehenen Gelder benötigte.
Ein Miss-Universe-Lizenznehmer aus Mexiko erwies sich als eitel genug und bereit, ihr aus der Patsche zu helfen, indem er fast den gleichen Kaufpreis zahlte, um lediglich 50 Prozent an der MU-Organisation zu erhalten.
Inwieweit die Finanzspritze zur Rückzahlung der Übernahme verwendet wurde oder wie viel die thailändische Trans-Ikone abgezweigt hat, ist nicht öffentlich bekannt. „Keine Liebesheirat“, vermutet Mohr:
„Es wurde schnell klar, dass die finanzielle Basis sehr angespannt war, die Protagonisten zu einfallsreich waren und Anleihen nicht zurückgezahlt wurden.“
Die Verstöße nahm die thailändischen Wertpapieraufsichtsbehörde unter die Lupe. Die Miss-Universe-Holding ging noch vor dem Finale im vergangenen Jahr in Konkurs, blieb jedoch in Eigenverwaltung.
Haftbefehle gegen Präsidenten von Miss Universe
Zwei andere Straftaten – eine im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität und die andere mit Untreue bzw. Unterschlagung – führten dazu, dass Haftbefehle gegen den mexikanischen Millionär und Präsidenten von Miss Universe, Raúl Rocha Cantú, als auch MU-CEO Jakrajutatip erlassen wurden. Letztere wurde in Thailand bereits zu zwei Jahren Haft verurteilt.
„Diese ohnehin schon unschöne Situation brachte einen unangenehmen Akteur auf den Plan“, erklärt Mohr: „Nawat Itsaragrisil, der thailändische Lizenznehmer, der die Miss-Universe-Wahl 2025 ausrichtete, machte sich daran, das Drama als hinterlistiger Profiteur auszunutzen.“

Carsten Mohr – hier 2012 – befürchtet betrügerische Übernahme / © misssupranational.com
Nachdem sich Miss World von ihm als thailändischem Nationaldirektor getrennt hatte, baute der gerissene TV-Unternehmer Miss Grand International auf und sieht nun die Gelegenheit, mit Miss Universe den führenden internationalen Schönheitswettbewerb nahezu umsonst zu übernehmen.
Der in asiatischen Pageantry-Communities als „Papa Nawat“ bezeichnete thailändische MU-Host von 2025 wurde weltweit bekannt, als er Teilnehmerinnen unangemessen behandelte, sich dann auf einer Pressekonferenz unter Tränen entschuldigte.
Dennoch wurde er vom Miss-Universe-Präsidenten für das Finale kalt gestellt, um anschließend überraschenderweise sein Fehlverhalten zu leugnen und in Thailand eine Verleumdungsklage gegen die amtierende Miss Universe aus Mexiko einzureichen.
Zwischen Krimi und Lächlicherkeit
Obwohl Itsaragrisil keine Anteile an Miss Universe besitzt, behauptet er in seinen Social-Media-Kampagnen, zum CEO einer sogenannten „Miss Universe Eastern“-Organisation ernannt worden zu sein.
Seine Desinformationsaktionen wurden dadurch erleichtert, dass die flüchtige thailändische MU-Miteigentümer ihm offenbar Zugriff auf die Miss-Universe-Website und den Facebook-Account des Schönheitswettbewerbs verschafft hat.
“Zwischen Krimi und Lächlicherkeit”, befindet Mohr, 2008 Mitbegründer und Namensgeber von Miss Supranational während einer investigativen Recherche zu Briefkastenfirmen der Kanzlei Mossack Fonseca in Panama.
Fünf Jahre später war ebenfalls der Zugriff auf die Facebook-Seite von Miss Supranational sowie auf die E-Mail-Adressen seiner Lizenzmanager gesperrt worden.
Sein ehemaliger Bankkunde und späterer Freund, Gerhard Parzutka von Lipinski, hatte schon lange geplant, seinen Partner auszubooten und führte den Coup ein Jahr später in Minsk durch, nachdem er 2012 die Krone heimlich verkauft hatte.
Die Marke hatte Lipinski bereits vorher stillschweigend auf sein polnisches Unternehmen eintragen lassen. „Die Geschichte wiederholt sich“, prophezeit Carsten Mohr: „für den Fall, dass die echte Miss-Universe-Organisation das diesjährige Weltfinale in Puerto Rico nicht organisiert bekommt.“
Quelle / Fotos: misssupranational.com
