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Leidenschaft trifft Funktion

Fiats schöne Edeltochter Maserati räumt auf: Nicht nur, dass mit Roberto Ronchi seit Ende vergangenen Jahres ein Eigengewächs aus dem Mutterkonzern das Sagen hat; der optisch immer noch als wundervoll geltende Quattroporte ist nun endlich mit einer neuen 6-Gang Automatik erhältlich. Wir konnten im Fürstentum Monaco ausgiebig erfahren, ob sich der Aufwand der Ingenieure gelohnt hat.

Verkaufsberater von Maserati waren bislang nicht zu beneiden. Sowohl der äußerst geringe Marktanteil ihrer Marke als auch diese unangenehmen Fragen, wenn es beim Zielobjekt Quattroporte im Gespräch um die Schaltung ging, machten ihnen das Leben schwer. Zumindest bei der Wahl des Ganges haben die Damen und Herren im Dienst der Kunden nun neue, zugkräftige Argumente. Waren vorher höchstens Puristen für das einzig und allein lieferbare DuoSelect-Getriebe zu begeistern, gibt es nun eine viel versprechende ZF-Automatik, die allein schon durch den Namen für Sicherheit und Funktionalität steht. Bitte nicht falsch verstehen – der Sportwagen mit dem meisten Prestige war der Quattroporte in seiner Limousinen-Klasse schon immer. Und über Optik sowie den transportierten Stil muss nicht mehr geredet reden. Wer sich für dieses Auto entschieden hat, der weiß, wo die besten Anzüge geschneidert werden und wie das Leben mit all seinen Facetten zu genießen ist.

Der weiß aber auch, wann ein Getriebe nicht passt. In diesem Marktsegment, wo der Dienstwagenanteil sehr hoch ist und die Käufer für eine schöne Summe – oder Leasingrate – nicht nur die formschöne Innen und Außen-Verpackung, sondern auch eine alltagstaugliche Technik verlangen können, musste Maserati handeln und das DuoSelect-Getriebe ersetzen. DuoSelect ist eine automatisierte 6-Gang-Schaltbox, die automatisch oder manuell (durch Schaltwippen am Lenkrad) die Gänge wechselt. Aber die Abstimmung bekam Maserati nie in den Griff.  In der Einstellung „normal“ sind die Unterbrechungen bei den Schaltvorgängen so lang, dass die Passagiere stets mit dem Kopf wackeln; mal mehr, mal weniger. Im „sport“-Modus dreht die Box den V8-Motor wegen spätem Schaltens bis in den roten Bereich – und das nicht bei Vollgas, sondern vorzugsweise gerne beim Cruisen im Stadtverkehr. Folglich musste der Fahrer durchgängig die Wippen bemühen, um die optimalen Schaltzeiten zu nutzen.

Für die absoluten Enthusiasten war das in Ordnung. Die Dienstwagen-Fraktion orientierte sich allerdings lieber Richtung Audi, BMW und Mercedes-Benz.
 
Maserati wurde aktiv und ließ vom renommierten Getriebe-Spezialisten ZF in Friedrichshafen, dem größten unabhängigen Hersteller von Automatikgetrieben für Pkw, eine moderne 6-Gang-Automatik anpassen. Bereits 2001 führte ZF weltweit das erste 6-Gang-Automatikgetriebe ein und bedient Top-Marken wie Aston Martin, Bentley, Jaguar, Land Rover und Rolls-Royce. Mit Maserati kommt nun ein weiterer Luxus-Hersteller dazu. Das ZF-Getriebe im Quattroporte ist der ideale Antrieb für komfortbewusste Fahrer, die nicht auf Sportlichkeit und Fahrdynamik verzichten wollen. Es zeichnet sich durch ruckfreie Gangwechsel und eine adaptive Getriebesteuerung aus, es agiert geschmeidig und flüssig dank einer exakten Abstimmung der Schaltvorgänge.

Das Ergebnis: Perfekte Fahrdynamik. Bei Maserati unterstreicht das ZF-Aggregat bestens die Leistungscharakteristik des V8-Motors. Es ist für ein Drehmoment bis 750 Newtonmeter ausgelegt und hat mit dem 400 PS und 460 Nm starken Maserati auf dem Papier leichtes Spiel. Das sollte auch in der Praxis funktionieren – von diesem Getriebetyp hat ZF nicht umsonst schon mehr als eine Million Stück ausgeliefert.

Und wo könnte eine Erprobung besser stattfinden als in den engen, überfüllten Gassen und Küstenstraßen rund um Monaco? Also rein in den cremig weißen Dreizack und schnell den kalten Motor gestartet. Sauberer Leerlauf, sehr gut. Automatik auf D und los geht’s. Den Monegassen scheint der helle Italiener so sehr zu gefallen, dass ich kurz vergesse, warum ich eigentlich in diesem Auto sitze. Im morgendlichen Berufsverkehr geht es stockend voran. Die Daumen der anderen Fahrer und Passanten schnellen nach oben. Sonnenbebrillte Cote-d’Azur-Schönheiten lächeln mit ihren wundervollen Gesichtern den Wagen und damit vorzugsweise mich an. Der Quattroporte Automatic bringt mich sanft und sicher aus der Stadt, keine Zeit für ein Cappuccino-Date. Wir erreichen die Küstenstraße.

In den vergangenen Minuten hat der Quattroporte bereits mein Vertrauen gewonnen, da rüde Gangwechsel der Vergangenheit angehören. Nachdem der Motor warmgelaufen ist und ich bereits einige Kilometer zurückgelegt habe – das Getriebe schaltet exzellent und vor allem dann, wenn ich manuell auch geschaltet hätte – kommt der Spieltrieb durch. Der Spaß kann beginnen. Ich teste das Schaltverhalten in den verfügbaren Modi, drehe bis in den roten Bereich und nehme einige unbeobachtete Passagen mit Vollgas – auch aus dem Stand: Die Kopf rüttelnden Schaltpausen sind verschwunden. Das ZF-Getriebe vermittelt das Gefühl einer perfekt arbeitenden Automatik, die auch in jedem anderem Konkurrenz-Fahrzeug so arbeiten könnte. Gut, Maserati fahren ist etwas Besonderes und soll es auch bleiben. Aber in Bezug auf das Getriebe ist hier verlässliche deutsche Wertarbeit am Werk, die perfekt mit dem Motor harmoniert. Die Automatik verrichtet sanft und immer im richtigen Moment ihr Werk und reagiert gezielt auf die Fahrerbefehle per Gaspedal.

Eine rund 50 Kilometer lange Strecke auf der französischen Autobahn, sowohl zurückhaltend als auch mit Full-Speed gefahren, bestätigt die Eindrücke.
 
Im Modus „normal“ kann ich entspannt den Weg ins Büro oder zum nächsten Termin erledigen, souverän dahin gleitend a la S-Klasse. Kommt der Sportsgeist durch, wechsle ich auf „sport“ und erhalte als Antwort ein späteres Hoch- sowie ein früheres Herunterschalten. Weitere Optionen sind „ice“ im Winter sowie die von mir in Zukunft am seltensten gewählte Stufe „manual“ zum Hin- und Herklicken der Gänge in der Automatik-Schaltkulisse per Hand. Übrigens: Das neue Getriebe sorgt für eine etwas andere Bauweise bei den nicht sichtbaren Teilen, die sich allerdings nicht spürbar bemerkbar macht. Der V8, der beim Quattroporte Automatic mit einer Nass- statt der bisherigen Trockensumpfschmierung ausgestattet ist, hat das Getriebe direkt längs an sich geflanscht bekommen. Sportwagentypisch drücken 51% der Masse auf das Heck. Etwas mehr Drehmoment sowie laut Herstellerangaben ein geringfügig reduzierter Verbrauch sind bei diesem Automobil sowieso Nebensache. 
 
Maserati fahren ist Leidenschaft pur, bei der die Emotionen mit jedem Einsteigen neu freigesetzt werden. Der Quattroporte war und ist ein von Pininfarina gestaltetes Design-Objekt, das purer und ehrlicher als seine viertürigen Konkurrenten von der Stange ist. In diesem Auto nimmt der Fahrer den Motor und Fahrtgeräusche wahr, das gefahrene Tempo ist gerade bei hohen Geschwindigkeiten jederzeit präsent. Das nenne ich Luxus in einer Zeit, wo Fahrer anderer Fahrzeuge nur durch das Ablesen der Instrumente – und nicht durch das Fahrgefühl – über den Stand der Dinge informiert werden. Und die  beiden Schaltpaddel hinter dem Lenkrad können Sie bei diesem Maserati-Modell in Zukunft getrost vergessen. Sie sind zwar in der Variante Sport GT noch erhältlich, aber eigentlich ein Überbleibsel für die absoluten Cracks unter uns, die mehrere Autos dieser Klasse ihr Eigen nennen und nicht auf den täglichen Gebrauch angewiesen sind. Obwohl DuoSelect weiter erhältlich bleibt, schaltet man im Maserati Quattroporte in Zukunft „Automatic“.
 
Maserati dürfte mit dieser Variante seine Marktanteile im Segment der viertürigen Limousinen erhöhen. Vor allem, wenn die Nachricht vom neuen Fahrgefühl unter Entscheidern – wie Sie es sind – die Runde gemacht hat. Wer ein besonderes Fahrzeug haben möchte, das mit einer sehr guten Schaltung ausgerüstet ist, ist nun auch hier richtig. Dazu wurden erstmals Spots auf n-tv geschaltet. Ob TV-Werbung für einen Nischenhersteller mit diesen geringen Stückzahlen Sinn bereitet, ist ein anderes Thema. Laut Hersteller-Prognosen werden sich zumindest 90% der neuen Besitzer für dieses Getriebe entscheiden. Auch Maserati Erstkunden.

Und über diese Erkenntnisse werden sich sowohl Roberto Ronchi als auch seine Verkaufsberater aus Europa, China und Middle East ganz besonders freuen.

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