Wirtschaftsfaktor Hochzeiten in Deutschland: Durch Absagen mehr als 1,2 Milliarden Euro Schaden

2018 gab es laut statistischem Bundesamt deutschlandweit ca. 450.000 Eheschließungen. Die überwiegende Mehrheit davon wird mit einem großen Hochzeitsfest gefeiert. Das Budget der Paare liegt hierfür bei etwas 15.000 Euro pro Hochzeit. Hinzukommen noch die Ausgaben der Gäste z.B. für Kleidung, Styling, Geschenke oder Junggesellenabschied. Womit im Zuge von Hochzeiten pro Jahr in Deutschland etwa 8 bis 10 Milliarden Euro ausgegeben werden.

Wirtschaftliche Folgen, wenn drei Monate nicht gefeiert werden kann

In Deutschland werden zwischen März und Mai rund 100.000 Ehen geschlossen. Zudem feiern zahlreiche Paare, die zwischen November und Februar beim Standesamt waren, erst im Frühling oder Sommer im größeren Rahmen. Deswegen schätzen wir vorsichtig, dass zwischen März und Mai 73.500 Hochzeiten nicht wie geplant gefeiert werden können.

Bei einem durchschnittlichen Hochzeitsbudget von 15.000 Euro gehen etwa 12.000 Euro an die termingebundenen Dienstleister wie Location, Catering, Fotograf oder Trauredner. Damit entfallen für diese Anbieter alleine Aufträge im Volumen von 882 Millionen Euro.

Bei im Mittel 60 Gästen pro Hochzeitsfeier entfallen zusätzlich deren Ausgaben wie z.B. für Junggesellenabschiede, Hochzeitsgeschenke, Outfit oder gebuchte Unterkünfte. Schätzt man zurückhaltend, dass die Ausgaben aller Gäste zusammen 50% des durchschnittlichen Hochzeitsbudget entsprechen, ergeben sich zusätzliche 419 Millionen Euro Umsatzeinbußen für Dienstleister und Online- wie Offline-Händler.

Folgen der Corona-Pandemie für Dienstleister in der Hochzeitsbranche und Brautpaare zu erwarten
Zahlreiche Hochzeiten müssen wegen der Corona-Krise abgesagt oder (auf unbestimmte Zeit) verschoben werden (c): „Anna-Maria Koy/Hochzeitsplaza.de“

Wie hoch ist der Schaden für Brautpaare?

Bei einem Durchschnittsbudget von 12.000 Euro ergeben sich bei 5% Stornokosten unerwartete Verluste von 600 Euro je Brautpaar. Hinzukommen bereits getätigte Ausgaben z.B. für Hochzeitskarten und das Porto für deren Versand oder bereits bestellte personalisierte Dekoartikel oder Gastgeschenke.

Dinge, die teilweise zum neuen Hochzeitstermin erneut gekauft werden müssen. Hierfür ist ein durchschnittlicher Schaden pro Brautpaar von ca. 400 Euro erwartbar. Auf die geschätzte Zahl von 73.500 Hochzeiten allein von März bis Mai 2020 sind das in Summe gut 74 Millionen Euro für die Paare.

Die Brautkleidbranche trifft es doppelt

Die Schließung aller Ladengeschäfte vor Ort trifft die Brautmodegeschäfte besonders hart, da sie die meisten Kleider über das Erlebnis der Brautkleid-Anprobe verkaufen. Erschwerend kommen Lieferschwierigkeiten durch weltweite Fabrikschließungen hinzu, welche die Vertragserfüllung bei bereits bestellten Brautkleidern teils unmöglich machen.

Die meisten Brautkleider werden zu einem Preis zwischen 500 Euro bis 2.000 Euro verkauft. Geht man davon aus, dass eine Braut im Mittel 1.250 Euro für ihr Kleid ausgibt, liegt der geschätzte Schaden im Brautkleideinzelhandel bei mindestens 50.000 nicht gekauften oder bezahlten Kleidern bei 60 Millionen Euro.

Der wirtschaftliche Schaden trifft viele Selbstständige und KMUs

Allein in der Hochzeitsbranche sind bei einer geschätzten Ausfallzeit für große Feiern von drei Monaten, Umsatzeinbußen von mehr als 1,2 Milliarden Euro zu erwarten. Ein Schaden, der in erster Linie Selbstständige oder kleine Unternehmen trifft, welche einen Großteil ihrer Umsätze durch Hochzeiten in und um die Hochzeitssaison erwirtschaften.

„Es ist leider zu befürchten, dass nicht alle durch die Krise kommen und dadurch die Vielfalt an Hochzeitsangeboten abnimmt.“ sagt Mathias Krüger, Geschäftsführer von Hochzeitsplaza. Auch die insgesamt 74 Millionen Euro Verlust der Brautpaare, sind nicht zu unterschätzen. Denn viele Paare werden versuchen, dies an anderer Stelle einzusparen.

Foto / Quelle: „Anna-Maria Koy/Hochzeitsplaza.de“ / www.hochzeitsplaza.de

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