Fahrbericht: Cadillac CTS

Cadillac CTSVor ein paar Jahren noch hätte ein Cadillac auf der Nordschleife des Nürburgrings bei den Zuschauern Gelächter ausgelöst. Vor zwei Wochen fuhr ein aktueller Cadillac CTS auf eben dieser Nordschleife als erste Serienlimousine überhaupt eine Rundenzeit unter acht Minuten. Es hat sich also offensichtlich einiges geändert beim Nobel-Amerikaner. Das bekamen wir auch jetzt bei unserem Testwagen von Typ Cadillac CTS 3,6 zu spüren.

Wer Cadillac schon abgeschrieben hatte, musste sich eines Besseren belehren lassen. Die treibende Kraft hinter dieser Reanimierung der Heckflossen-Sänfte von einst ist mit Sicherheit Bob Lutz. Der Schweizer mit deutscher Vergangenheit in amerikanischen Diensten ist Chef aller Techniker beim größten Automobilhersteller der Welt – General Motors oder kurz: GM. Sicher wird er auch noch ein paar Rüsselsheimer nach Detroit ins Cadillac-Team geholt haben; denn unser Testwagen legte sich typisch europäisch ins Premium-Zeug: Luxuriös, stramm, sportlich leistungsorientiert und mit moderner Technik.

Unter der Haube arbeitet ein Direkteinspritzer, der sich scheinbar mühelos und mit attraktivem Knurren bis knapp über 7000 Umdrehungen pro Minute treiben lässt. Der Sechszylinder entwickelt 229 kW / 311 PS und bringt sein maximales Drehmoment von 374 Newtonmeter an die 18-Zoll-Hinterräder. Die 100-km/h-Marke schafft er mit seiner Sechs-Gang-Automatik nach 6,3 Sekunden und wird mit 241 km/h Höchstgeschwindigkeit angegeben. In der sauerstoffreichen Morgenkühle im Flachland kurz vor Hamburg marschierte die Tachonadel unseres Exemplars auf die 270-km/h-Marke zu, und das Display meldete, dass der Wagen nicht schneller als 264 km/h fahren wolle.

Dennoch hat sein Verbrauch so gar nichts Amerikanisches. Im Schnitt (nach EU-Norm) verbraucht der 3,6-Liter-CTS mit 11,1 Liter pro 100 km/h, was einen Ausstoß von Kohlendioxid von 264 Gramm pro Kilometer entspricht. In der Praxis sind dies unsere Erfahrungswerte: Landstraße zehn Liter, schnelle Autobahn 15 Liter und mehr, im Schnitt knapp 14 Liter Super-Benzin, wobei der Motor auch Normal-Benzin verträgt. Dieser Cadillac muss also den Vergleich mit seinen europäischen Wettbewerbern beim Motor und dessen Verbrauch nicht scheuen. Bei einem klassischen Cadillac hätten die – allerdings acht – Zylinder soviel Benzin schon beim Anlassen und Warmlaufen verbraucht.

Hatte Bob Lutz nicht vor gar nicht so langer Zeit die Devise ausgegeben, bei GM müsse mehr auf die Gestaltung des Innenraums und die Verarbeitung geachtet werden? Hier meldet ein Hersteller den Vollzug. Der CTS in der Top-Ausstattung „Sport Luxury“ überrascht mit einem insgesamt sportiven, aber eleganten und durchaus auch hochwertig wirkenden Innenraum. Dabei fällt die saubere und passgenaue Verkleidung des Innenraums mit Leder besonders positiv auf. Aber auch die Armaturen mit ihren Akzenten aus glänzendem und mattem Aluminium sowie dem typisch rotbraunen Applikationen erfüllen jetzt auch bei näherem Hinsehen das, was früher das Prospektfoto versprach, die Realität aber nicht halten konnte.

Die Sitze sind nicht mehr so dick wie bei den Vorgängermodellen. Das wird die Hinterbänkler freuen, denen dadurch mehr Platz zur Verfügung steht. Die Vordersitze lassen sich elektrisch verstellen, könnte aber gut ein paar Zentimeter mehr Länge als Oberschenkelauflage vertragen. Dafür erlauben sie ausreichenden Seitenhalt.

Den kann man allerdings auch gut gebrauchen; denn der CTS ist ein Meister der schnellen Kurven. Seine Lenkung arbeitet präzise, das Fahrwerk hält stur die eingeschlagene Bahn bei, die Seitenneigung hält sich in Grenzen. Auf Autobahnen ist der CTS in seinem Revier, aber auch auf Landstraßen macht er keine schlechte Figur, hier kann er seine Gleiter-Eigenschaften ins Fahrvergnügen einbringen und sich mit seiner Brose-Anlage als rollender Konzernsaal profilieren. So viel Amerika muss sein, und wir Europäer mögen das schließlich auch.

Das Stichwort „mögen“ bringt uns direkt zum Design. Das kann man schon deswegen mögen, weil es so gänzlich anders ausfällt, als das, was uns die europäischen Hersteller zur Zeit bescheren. Cadillac bekennt sich zur Senkrechten, zur klaren Kante und zur extremen Keillinie. Das verbessert zwar nicht gerade die Übersichtlichkeit nach hinten, hebt ihn aber sehr überzeugend von den anderen ab.

Man kann sich an ihn gewöhnen, selbst wenn man die prallen Formen der Europäer samt deren Dynamik-Anbauten schätzt. Aber man muss sich daran gewöhnen, dass er andere provoziert. Rollt man brav auf der rechten Seite der Autobahn, erntet man ab und an einen Blick vom Beifahrersitz des überholenden Fahrzeugs. Geht man nach links, wollen die schnelleren Autofahrer sofort wissen, was so ein Cadillac kann. Sie wollen ihn dorthin vertreiben, wo er früher einmal hingehörte – auf die Lkw-Spur. Es hat eben niemand zur Kenntnis genommen, dass ein Cadillac CTS die schnellste Serienlimousine auf der Nordschleife ist. Zugegeben, das war der ab Ende des Jahres erhältliche CTS-V mit dem Sechs-Liter-Achtzylinder.

Was kostet der Spaß? Der Grundpreis für den Sport Luxury mit Automatik-Getriebe liegt bei 46.490,- Euro. Es gibt für diesen Preis nicht viele Limousinen dieser Klasse mit 4,86 Meter Länge, einem Gewicht von rund 1.800 Kilogramm, komfortablem Platz für vier Passagiere und einer Zuladung von mehr als 500 Kilogramm, die in 6,3 Sekunden auf 100 km/h sind. Unser Edel-Exemplar mit adaptiven Xenon-Scheinwerfern, integrierter Navigation, Brose Soundanlage und weiteren Nützlich- und Annehmlichkeiten lag bei einem Gesamtpreis von 51.470,- Euro. Welcome to Europe!

Fotos: Auto-Reporter

modelvita.com verwendet Cookies sowie Google Analytics und informiert Sie darüber. Durch Ihre Nutzung der Webseite gehen wir vom Einverständnis aus. Info & Deaktivieren

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen